Nachhaltige Entwicklung als Kulturfrage
Wie kann man sich eine Kultur der Nachhaltigkeit vorstellen – und wie stellen wir sie her?
Darum ging es am 11. Dezember 2025 in meinem Impulsvortrag mit Workshop entlang von drei Kernfragen:
- Was bedeutet Nachhaltige Entwicklung – jenseits von Mülltrennung und “Flugscham”?
- Was müssen wir dafür wissen und können?
- Was zeichnet eine Kultur der Nachhaltigkeit aus – und was, wenn es gar nicht nur eine ist?
Kultur als vierte Dimension?
Nachhaltige Entwicklung wird oft in einem Modell der drei Dimensionen Ökologie, Soziales, Wirtschaft dargestellt – auf Englisch: “Planet, People, Prosperity”.
In der Präambel zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen werden ergänzt um die Aspekte “Partnership” und “Peace”. Zusammen bilden sie die “5P”, was den Vorteil hat, dass man sich diese Unterteilung gut merken kann.
Schreinbar kommt Kultur in all dem nicht vor, weder im engeren Sinne kulturkreativer Betätigung, noch im weiteren Sinne gesellschaftlicher Glaubens- und Handlungsmuster. Weder ist sie explizit benannt, noch werden bei oberflächlicher Betrachtung kulturelle Unterschiede gewürdigt.
Unklar ist, ob es überhaupt eine Kultur der Nachhaltigkeit geben kann oder ob wir nicht sogar eine Vielzahl von Kulturen der Nachhaltigkeit brauchen.
Gleichzeitig kann man es als ein Kulturphänomen ansehen, dass in einer aristotelisch geprägten Gesellschaft oft von “ökologischer”, “sozialer” oder “wirtschaftlicher Nachhaltigkeit” gesprochen wird. Dabei zeichnet sich wirklich nachhaltige Entwicklung gerade dadurch aus, dass sie solches Schubladendenken überwinden möchte.
Die Rolle der Kultur(en) für Nachhaltige Entwicklung
Ebenso offen ist die Frage nach dem Stellenwert der Kultur bzw. der Kulturen. Mit einer Studie von Dessein et al. von 2015 (hier als PDF, ca. 1,6 MB):
Ist Kultur eine Art fehlende vierte Dimension, ein weiteres Spielfeld? Ist sie Vermittlerin zwischen den anderen drei Dimensionen? Oder ist sie eher treibende Kraft für nachhaltige Entwicklung?
Im dritten Verständnis gilt Kultur nicht nur als Ausdruck von Wissen oder Lebensstilen, sondern ein sich ständig wandelnder, lebendiger Prozess, der Umwelt, Gesellschaft, Wirtschaft und Werte miteinander verknüpft.
Das ermöglicht neues Denken über das Menschsein als Teil einer größeren ökologischen Gemeinschaft, in der Nachhaltigkeit kein fester Zielzustand ist. Vielmehr geht es um einen dauerhaften partnerschaftlichen Lernprozess, in dem Menschen neue Werte, Handlungsweisen und Visionen einer zukunftsfähigen Gesellschaft entwickeln und erproben.
Kultur wird so zur Grundlage eines bewussten, wertegeleiteten Handelns, das auf Ethik, Verantwortung und Verbundenheit mit dem Ort und der Gemeinschaft beruht. Sie bietet einen Wertmaßstab für eine gute Lebensweise, die anderen nicht schadet.
Gleichzeitig sind Kulturen selbst Prozesse für sozial-ökologische Transformation. Sie öffnen Räume des Lernens, Teilens und Mitgestaltens, in denen Menschen sich begegnen und gemeinsam darüber nachdenken, wie sie in Gegenwart und Zukunft leben wollen.
So wie am vergangenen Donnerstag im Stunt:
Culture meets Coaching
Die Veranstaltung bildete den Jahresabschluss der Reihe „Culture meets Coaching“ im Detmolder Stunt • Coworking & Community (Lange Str. 71).
Ich habe mich sehr über die Einladung meiner geschätzten Kollegin Claudia Kleinert-Schmidt von Wertekanon Coaching & Training gefreut, die das Format kuratiert.
Ein herzliches Dankeschön geht ans Stunt-Team und an alle, die live in Detmold dabei waren!
Weil wir als Gruppe in Interaktion gegangen sind, gibt es leider keine Videoaufzeichnung. Ich stelle aber die Folien bei Interesse gern zur Verfügung.
