Polykrise und persönliche Herausforderungen
Mein Fazit zu 2022, dem Jahr der „Polykrise“? Ich werde es rückblickend eher nicht vermissen …
Es war persönlich fordernd, nicht zuletzt durch einen Autounfall in einem (vermutlich klimabedingt heftigen) Februarsturm. Auch wenn ich körperlich unverletzt geblieben bin, hinterlässt so etwas Spuren in einem Jahr, das auch ohne diese Erfahrung spannend genug gewesen wäre.
Umso schöner, dass ich damit nicht alleine klarkommen musste. Dankeschön an alle, die in dieser Zeit Verständnis hatten, Hilfe angeboten haben, da waren!
Beruflich war 2022 bunt und mit vielen schönen Momenten gesegnet. Ohne im Detail zu rekapitulieren: Was zu tun war habe ich als durchgängig als sinnvoll empfunden. Das ist nicht selbstverständlich – ich kenne viele und coache einige, die das anders erleben.
Auch in meinem Werdegang hatte ich Stationen, in denen es mir anders ging. Das war in diesem Jahr anders, es war höchst Sinn-voll. Auch dafür von Herzen Danke an alle Kund:innen, Kolleg:innen, Projekt- und Netzwerkpartner:innen, Studierenden und Kursteilnehmenden!
Die allgemeine Weltlage trübt dennoch meinen Rückblick. Dunkle Wolken am Horizont, Polykrise (ein Begriff des Philosophen Edgar Morin, popularisiert von Adam Tooze) ist für mich das Wort des Jahres:
Ein achtbarer Versuch, sich vielfältig beschleunigende Entwicklungen dann doch irgendwie in einen Begriff zu fassen. Das Komplexe verstehbar zu machen, ohne dabei selbst unterkomplex zu werden. Den Kreis zu quadrieren.
Nur Polykrise? Warum nicht auch Polychance?
Nun ist ja mittlerweile Kalenderweisheit, das Krisen auch Chancen sind. Um den Gegenbegriff zur Polykrise mal einzuführen:
Kann es sein, dass 2023 ein Jahr der „Polychance“ wird – also ein Jahr der vielen Chancen, die gerade dadurch zusammenhängen, dass Dinge jetzt offensichtlich in Bewegung geraten?
Ich wünsche es Ihnen und euch und uns allen. Und freue mich darauf, die eine oder andere dieser Chancen zu ergreifen.
Nicht im Sinne von „in Angriff nehmen“ oder „zuschlagen“, Kriegsrhetorik hatten wir wahrlich genug. Eher im Sinne von Verantwortung und Nachhaltigkeit. Zwei Begriffe die im Englischen so viel klarer sind:
Response-ability und sustain-ability – die Fähigkeit, Antworten zu finden, die unsere Lebensgrundlagen aufrechterhalten und uns Kraft geben.
Somewhere over the Rainbow
Der Regenbogen als Metapher mag ein bisschen überstrapaziert sein. Aber ich finde, hier passt er: Er leugnet nicht die dunklen Wolken, sondern wäre ohne sie gar nicht am Leuchten. Allerdings auch nicht ohne die Sonne, die hinter aller Tragik ja weiter scheint.
Vielleicht kann die Idee der Polychance so ein Regenbogen werden:
Eine Erinnerung daran, mutig weiter zu gestalten und dem Leben gerade dann Farbe zu geben, wenn sich Anflüge von Hoffnungslosigkeit breit machen. Ein verlockend schillernder Gegenpol zur “German Angst”, der uns zum Handeln inspirieren kann.
Ich habe zumindest vor, ihn so zu nutzen. Denn Polykrise hin oder her: Ich möchte auch 2023 zu einer nachhaltigeren Welt beizutragen und andere Menschen ermutigen, es auch zu tun.
Anders gesagt bleibe ich Weg-bereit. Und freue mich sehr, wenn Sie das auch tun, wenn ihr das auch tut und wenn wir uns unterwegs begegnen. Guten Rutsch in ein gesundes, glückliches neues JA!
