Die Wurzel deiner Kreativität

27.2.2018 | Erfolg, Kreativität

Die Wurzel deiner Kreativität

27.2.2018 | Erfolg, Kreativität

Kreativität und du

“Kreativ” – woran denkst du, wenn du das Wort hörst? Ans Malen, Bildhauen oder Musikmachen, oder an Erfinder und andere Menschen mit vielen Ideen?

Und was meinst du, wie kreativ bist du selbst?

Viele Menschen bezeichnen sich als unkreativ, weil sie sich nicht als Künstler:innen sehen. Diese Gleichsetzung von Kreativität mit Kunst und Kultur wird dadurch noch verstärkt, dass der Begriff “Kultur- und Kreativwirtschaft” seit einigen Jahren klar definiert ist:

Er umfasst die Teilmärkte Musik, Bücher, Kunst, Film, Rundfunk, darstellende Künste, Architektur, Design, Presse, Werbung sowie Software und Spiele.

Wer nicht in einem dieser Felder arbeitet, ist also auch nicht kreativ. Oder?

Kreativität ist eine Kunst – aber nicht nur Künstler sind kreativ

Mindestens drei Argumente sprechen dagegen:

Erstens ist Ideenreichtum auch in anderen Branchen wichtig. Neue Möbel, Maschinen oder Medikamente erfinden sich ja nicht selbst. Der Begriff “Kreativwirtschaft” ist also nicht wirklich fair, auch wenn es gute Gründe gibt, die genannten Teilmärkte zu einer Gesamtbranche zusammenzufassen.

Zweitens sind Ideen nicht nur im Beruf gefragt. Ich werde nie vergessen, wie ein ehemaliger Mitbewohner kochte: Kartoffeln und Gemüse kamen in unsere einzigen beiden Töpfe, für seine Würstchen musste die Kaffeemaschine herhalten. Ein kreativer Weg, mit Knappheit umzugehen. Und für mich ein guter Anlass, weniger Kaffee zu trinken …

Drittens, und das ist aus meiner Sicht zentral: Es geht bei Kreativität gar nicht nur um Ideen, seien es nun künstlerische, industrielle oder ganz alltagspraktische. Denn “kreativ” heißt nicht “ideenreich”, sondern “schöpferisch”.

In dieser Unterscheidung liegt ein Schlüssel zum Erfolg. Ob du dich nun im bisherigen Verständnis als “kreativ” bezeichnen würdest oder nicht:

Wenn du dich als Schöpfer:in siehst, gehst du in Verantwortung für das, was du in der Welt bewegst.

Creator oder Kreatur?

Das lateinische Wort “Creator” bezeichnet den Schöpfer, Erschaffer oder auch Urheber – den kausalen Ausgangspunkt einer Geschichte. Damit ist zuallererst die Vorstellung eines Gottes verbunden, der die Welt und alles darin erschaffen hat – seine “Kreaturen” (wörtlich: “Geschöpfe”).

Im heutigen Sprachgebrauch schwingt bei diesem Begriff eine Abwertung mit („niedere Kreaturen“). Vielleicht liegt das daran, dass Kreaturen passiv sind: Sie sind “nur” eine Folge des Schöpfungsgeschehens, haben also kaum eine Wahl.

So beginnt auch deine ganz persönliche Schöpfungsgeschichte. Bei deiner Zeugung und Geburt hattest du kein Mitspracherecht. Mit einem Wort des umstrittenen, aber in dieser Hinsicht präzisen Philosophen Martin Heidegger: du wurdest in die Welt „geworfen“.

Auch seither sind dir vermutlich ein paar Dinge widerfahren, die dir nicht gepasst haben. Nicht ohne Grund heißt das sprachliche Passiv auch “Leidensform”: Immer dann, wenn uns etwas “passiert”, wenn wir unser Erleben als Folge der Umstände sehen, nehmen wir uns als machtlos wahr. Kurz: Als Opfer.

Heideggers Lösungsvorschlag ist die Forderung nach dem “Ent-Wurf”: Danach, als Antwort auf unser Geworfensein selbst einen Weg zu finden, wie wir mit den Umständen umgehen, in die wir hineingeworfen wurden.

Wenn du etwas entwirfst, siehst du dich nicht mehr nur als Folge eines Geschehens an, das du nicht beeinflussen kannst. Du bleibst nicht gefangen in einer Ver-wicklung, sondern machst dich zum Ausgangspunkt einer neuen Ent-wicklung. Kurz: du wirst schöpferisch.

Der Mensch als schöpferisches Wesen

Dafür bist du bestens ausgestattet, ob du dich nun für kreativ hältst oder nicht. Denn was uns Menschen an Spezialisierung fehlt – kein Fell, keine scharfen Krallen und Eckzähne, keine Tarnung, keine Flügel – kompensieren wir mit einem einzigartigen Talent:

Mit der Fähigkeit, uns die Welt anders vorzustellen als sie ist. Und darauf aufbauend mit der Fähigkeit, unsere Lebensumstände weitreichend zu verändern. Hier ein paar Erklärungsversuche:

  • Die biblische Erklärung: Wenn Gott uns “nach seinem Ebenbild erschaffen” hat, müssten wir doch nicht nur seine Geschöpfe, sondern ebenfalls Schöpfer:innen sein?
  • Die psychologische Gegentheorie: Was, wenn wir Gott nach unserem Ebenbild geschaffen haben? Könnte es sein, dass wir uns Menschen als schöpferisch erleben und erst daraus die Vorstellung entwickeln, dass es vielleicht einen Gesamtschöpfer für das große Ganze gibt?
  • Die evolutionsbiologische Erklärung: Lässt sich unsere Kreativität auf einen besonders ausgeprägten Gehirn-Frontallappen zurückführen?

Es gibt weitere Theorien, die auf ihre je eigene Art erklären, warum Menschen im Vergleich mit anderen Wesen folgenreicher denken und handeln können.

Wichtiger als die Details solcher Begründungen ist mir, dass wir es können. Und zwar wir alle, nicht nur “die Kreativen” unter uns!

Kreativität beginnt mit (d)einer Entscheidung

Die Wurzel der Kreativität liegt also in der Natur des Menschen: Uns allen ist gemeinsam, dass wir die Gabe des Vorstellens und Herstellens besitzen. Und dass wir sie auch benötigen, um unser Leben zu gestalten.

Wie kommst du an dieses Potenzial? Natürlich kannst du dafür Kreativitäts-Techniken nutzen – von “A” wie Analogietechnik bis “Z” wie Zukunftswerkstatt. Dazu vielleicht mehr in einem späteren Beitrag.

Damit aus der Wurzel etwas wächst, ist unabhängig von solchen Hilfsmitteln vor allem eine Entscheidung nötig: deine Entscheidung, kreativ zu sein und deine schöpferische Natur anzunehmen. Wie klingt das für dich?

Viele Menschen scheuen die Verantwortung, die das mit sich bringt. Denn wenn du selbst gestaltest, wirst du auch zur Ursache von Entwicklungen, deren Folgen nicht allen gefallen. Wo etwas Neues wächst, fühlt sich das Alte oft bedroht. Andererseits: Fühlst du dich nicht manchmal auch vom Alten bedroht – davon, dass alles so bleibt wie es ist?

Vielleicht zögerst du deshalb. Vielleicht glaubst du auch einfach nicht, dass du deine „Umstände“ verändern kannst. Und vielleicht schaffst du es auch nicht bei allen auf einmal. Aber du kannst sicher sein:

Du hast grundsätzlich die Möglichkeit zu gestalten, statt nur hinzunehmen. Die Chance, es dir leichter zu machen, statt dich nur zu beschweren. Die Kraft zum Kreieren. Weil du ein Mensch bist.

Wie weit du damit kommen kannst, lässt sich nicht theoretisch sagen. du erfährst es nur, indem du es angehst. Im Beitrag über Opfer und Schöpfer:innen findest du ein paar Tipps und Impulse dafür.

STARTHILFE FÜR DEINE Kreativität

Beginnen kannst du schon jetzt und hier: Vielleicht weißt du schon, was du in die Welt bringen möchtest und was dafür der beste nächste Schritt ist? Dann hör auf zu lesen und leg los!

Falls nicht, hier eine kleine Starthilfe:

  • Wann und wo in Deinem Leben warst du bisher kreativ?
  • Was hast du dabei (um)gestaltet?
  • Warst du damit erfolgreich, oder hast du “gelernt”, dass du doch lieber alles beim Alten lässt?
  • An welchen persönlichen, beruflichen oder gesellschaftlichen Umständen störst du dich gerade am meisten?
  • Welche Möglichkeiten fallen dir ein, entweder diese Umstände oder das Gefühl der Störung zu verändern?
  • Welcher dieser Möglichkeiten versprechen den größtmöglichen Erfolg?
  • Welche kannst du vielleicht mit geringem Aufwand schon zeitnah umsetzen?
  • Bist du bereit, mindestens eine dieser Möglichkeiten wirklich in Angriff zu nehmen?
  • Wenn ja: Welche, wie und bis wann?

Nutze diese Fragen gerne zum Selbstcoaching. Was du dabei wohl (er)findest?

Ich bin gespannt, was dieser Text bei dir bewegt: Schick mir gerne ein Feedback oder kontaktiere mich im reflecta.network, auf LinkedIn, Xing oder Facebook. Ich freue mich, von dir zu hören!

Alles Liebe und viel Erfolg für deinen Weg
– dein Christian Einsiedel👣

P.S.: Wenn du mit mir arbeiten möchtest: Mach den ersten Schritt (kostenfrei & unverbindlich).

Fotos: Samuel Zeller, Rosie Kerr, Crew & Joshua Humphrey / Unsplash
Zuletzt aktualisiert am 23.1.2023

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Christian Einsiedel

Creative Change Consultant

Ich begleite Menschen in Veränderungsprozessen auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Welt.

Als systemisch-integrativer Coach, Consultant, Speaker und Trainer. Mit Wertschätzung & Weitblick, Klartext & Kreativität, Herz & Hirn. Für Wandel mit System.

Hier erfährst du mehr über meinen Weg. Wenn du mit mir arbeiten willst: Auf geht's!

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